Die erste Camperreise klingt für viele nach einer grossen Sache. In Wahrheit braucht es vor allem etwas Mut und die Bereitschaft, das Leben auf sich zukommen zu lassen. Unsere erste Reise war ein gemieteter Camper in den USA. Wir hatten kaum Bedenken, wir hatten gehört, wie andere es machen, und wollten es einfach selbst ausprobieren. Genau dazu wollen wir dich ermutigen, mit ein paar Hinweisen, die den Start leichter machen.
Wie viel im Voraus planen?
Unser Tipp aus der Praxis: Buche den ersten Stellplatz fix. Das gibt Sicherheit und nimmt am Anfang viel Stress. Den Rest darfst du je nach Saison und Land durchaus spontan halten. In den Sommerferien, also Juli und August, bist du allerdings gut beraten, mehr vorzureservieren, denn dann sind die Plätze voll. Spontan zu reisen ist schön, hat aber eine Kehrseite: Du musst die Plätze dann während der Reise suchen, statt sie schon zu haben. Beides ist richtig, du entscheidest, wie viel Freiheit und wie viel Sicherheit du möchtest.
Bei den ersten Kilometern war es vor allem ein Gefühl von Freiheit. Alles Wichtige dabei, das Fahrzeug unter sich, und das Gefühl, dass einem nichts mehr passieren kann.
Denk in Zeit, nicht in Kilometern
Statt auf Kilometer schauen wir auf die Fahrzeit. Ein längerer Fahrtag mit fünf bis acht Stunden ist ab und zu in Ordnung, aber nicht jeden Tag. Wer täglich weiterzieht, fährt besser nur zwei bis drei Stunden. Bleibst du zwei, drei Tage am selben Ort, kannst du danach problemlos wieder eine längere Etappe einplanen.
Ehrlich gesagt: Wenn man lange einen Platz sucht, wird man müde und hungrig, und die Stimmung kann gereizt werden. Zu zweit ist das kein Drama, dann stellt man sich notfalls irgendwo an den Rand und schaut am nächsten Tag weiter. Aber acht Stunden zu fahren und dann keinen Platz zu finden, das nervt. Plane den Tag so, dass am Abend noch Luft bleibt.
Was wirklich mitmuss
Wir reisen von Anfang an minimalistisch und haben selten etwas mitgeschleppt, das wir nicht gebraucht haben. Gold wert ist hingegen etwas Werkzeug, ein paar Ersatzsicherungen und eine Karte. Was dagegen oft zu Hause bleiben könnte, sind Sport- und Freizeitgegenstände, die man angeblich unbedingt nutzen will und am Ende doch nie auspackt.
Strom, Wasser und Entsorgung
Hier unterscheiden sich die Reiseländer. In den USA ist es üblich, dass ein Platz Strom, Wasser und sogar einen Abwasseranschluss bietet. Vielerorts gibt es einen City-Water-Anschluss, bei dem du gar nicht den Tank nutzt, sondern direkt Wasser im Fahrzeug hast. In Europa ist meist nur Strom Standard, Wasser und Abwasser gibt es eher auf besser ausgestatteten Plätzen. Wichtig vor jeder Weiterfahrt: Grau- und Schwarzwassertank leeren, das spart Gewicht.
Gewicht ernst nehmen
Mach vor der ersten Reise eine grobe Rechnung, was alles mitkommt. Überladung ist einer der häufigsten Fehler, und sie ist nicht nur teuer bei einer Kontrolle, sondern verändert auch das Fahrverhalten. Weniger ist hier wirklich mehr.
Mieten, kaufen oder zuerst testen?
Ganz klar: zuerst mieten. So findest du heraus, ob dir der Fahrzeugtyp zusagt und ob du überhaupt ein Camper-Typ bist. Nimm dir dafür aber nicht nur ein Wochenende, das ist zu kurz. Plane lieber gleich zwei Wochen ein. Erst dann machst du die Erfahrungen, die dir bei der Entscheidung wirklich weiterhelfen.
Unterwegs in der Schweiz
Die Schweiz hat viele Campingplätze und auch zahlreiche Parkplätze, auf denen das Übernachten erlaubt ist. Oft klappt es auch, wenn du bei einem Bauern klingelst und fragst, für eine Nacht ist das selten ein Problem. Die Rechtslage ist je nach Kanton und Gemeinde unterschiedlich, erkundige dich also im Zweifel vor Ort. Und das Wichtigste überhaupt: Nimm Rücksicht und verlasse den Platz am besten sauberer, als du ihn angetroffen hast. So bleibt diese Freiheit auch für die nach uns erhalten.
Eine gute erste Route ab der Schweiz
Für die allererste Reise empfehlen wir die Fahrt über ein paar Alpenpässe Richtung Südfrankreich, in die Wärme und ans Meer. Auf den Pässen lernst du das Fahrzeug richtig kennen, und die anschliessende Küstenstrasse ist ein entspannter, schöner Einstieg. Diese Mischung aus etwas Herausforderung und viel Genuss ist ideal, um Sicherheit zu gewinnen.
Wann ist die beste Zeit?
Grundsätzlich geht Camping zwölf Monate im Jahr, mit der richtigen Ausrüstung. Je nach Jahreszeit ist eine Standheizung sinnvoll. Wir haben sogar schon an Weihnachten im California geschlafen. Es wird frisch, aber wer sich davor nicht scheut, hat kein Problem. Deutlich komfortabler ist es natürlich im Frühling, Sommer und Herbst.
Die häufigsten Anfängerfehler
- Klappen offen lassen. Aussenklappen für Strom- oder Wasseranschluss vor der Abfahrt prüfen und schliessen.
- Mit offener Dachluke losfahren. Einer der klassischsten Fehler, der schnell teuer wird.
- Kabel oder Schlauch vergessen. Vor dem Wegfahren einmal ums Fahrzeug gehen und alles abhängen.
- Überladen. Lieber vorher rechnen als nachher zahlen.
- Zu lange erste Etappe. Der erste Tag darf kurz sein, das nimmt den Druck.
Apps und Hilfsmittel
Zwei Apps haben sich für uns bewährt. park4night ist stark für Stellplätze, Parkplätze und Übernachtungsmöglichkeiten, auch wenn man nur für eine Nacht etwas sucht. Dazu Camping.App mit grosser Platzauswahl und direkter Verlinkung zur Buchung. Mit diesen beiden kommt man im Alltag sehr gut zurecht.
Entspannt oder durchgeplant?
Am Ende ist es ein Abwägen. Wer viel vorausbucht, muss unterwegs weniger suchen, ist dafür weniger flexibel und verpasst vielleicht einen Ort, an dem es einem gefällt. Wer offen bleibt, lässt das Leben mehr auf sich zukommen. Schöner ist es meist, entspannt und mit einer gewissen Offenheit zu reisen.
Es ist nicht kompliziert. Ein bisschen Mut genügt. Und das Leben ist dort, wo man noch nie war.